So still wie das Meer wird der menschliche Geist durch Autogenes Training


Autogenes Training Geschichte und Wirkungsweise

Autogenes Training, ein eher westlich orientiertes Entspannungsverfahren, wurde in den zwanziger Jahren von dem Berliner Arzt Dr. J. H. Schultz entwickelt. Der Untertitel unter seiner ersten Veröffentlichung lautete "Konzentrative Selbstentspannung" und beschreibt die Methode schon recht genau.Die große Vision des Dr. Schultz war es, eine Methode zur Entspannung zu entwickeln, die von allen Menschen ausführbar und leicht zu erlernen ist. Beeinflußt wurde er von der Anfang des Jahrhunderts aufkommenden Serienhypnose in Europa, die ihm aber so nicht ausreichte, denn er wollte ein Verfahren entwickeln, das jeder für sich allein üben kann. Auch war Dr. Schultz in Indien und hat dort den Yoga eingehend studiert. In seinen anfänglichen Publikationen gab er offen zu, durch den Yoga bei der Entwicklung des autogenen Trainings inspiriert worden zu sein. In späteren Veröffentlichungen hat Dr. Schultz das aus irgendwelchen Gründen dann geleugnet.Die maßgebliche Säule des autogenen Trainings jedoch war die Entdeckung der "bedingten Reflexe" durch den russischen Verhaltensforscher Pawlow.In seinen Experimenten hatte dieser einige Wochen lang Hunde gefüttert und dabei gleichzeitig mit einem Glöckchen geläutet. Nach ein paar Wochen brauchte er nur das Glöckchen zu läuten und den Hunden lief bereits das Wasser im Mund zusammen, dass heißt, nur durch den Ton des Glöckchens begann die Speichelbildung bei diesen Hunden. Indem also die Vorstellung das Läuten des Glöckchens mit Nahrung in Verbindung brachte, löste sie automatisch die Speichelbildung im Mund aus. Mit diesen bedingten Reflexen arbeitet autogenes Training ganz gezielt. Mittels verschiedener Vorstellungsbilder, die in den Geist eingegeben werden, greift der Übende in den Organismus ein und löst so die gewünschten Effekte von Schwere, Wärme und so weiter aus. Das Vorstellungsbild wird dabei zu einem drahtlosen Signal, das zum Gehirn gesendet wird. Dort wird dieser Impuls umgeschaltet und über das vegetative Nervensystem zu den entsprechenden Körperteilen weitergeleitet, so dass sich zum Beispiel in der Schwerübung der Hände dort die Muskulatur entspannt und damit das schwere Gefühl entsteht. Die Vorstellungsbilder sind also ein afferenter Impuls zum Gehirn. Nach der Umschaltung im Gehirn wird ein efferenter Impuls an die einzelnen Körperteile gesendet, die so reagieren.In der Grundstufe des autogenen Trainings gibt es sieben Übungen, die alle aufeinander aufbauen. Die Ruheübung bietet zwei Vorstellungsbilder an, die gemeinsam oder einzeln geübt werden können. Das Erste fordert uns auf, die Gedanken nur zu beobachten und uns vorzustellen, dass sie als kleine weiße Wolken am Himmel an uns vorüberziehen, ohne dass wir sie bewerten, bekämpfen oder ihnen in irgendeiner Weise nachgehen. Hier wird eine Parallele zu dem Zur-Ruhe-Kommen der Gedanken sichtbar, dass im Yoga Sutra 1.2 des Patanjali beschrieben wird. Auch das Vorgehen, die Gedanken nur noch in der Gegenwart wahrzunehmen, erinnert uns an die Übungsweise des Yoga. Als zweites Vorstellungsbild in der Ruheübung dient die Vorstellung eines Lieblingsplatzes, der für den Übenden Ruhe, Entspannung und Behaglichkeit symbolisiert. Dieses Bild wird wieder im Gehirn umgeschaltet und führt zu einer weitgehenden Beruhigung und Entspannung des Übenden. Die zweite, die Schwereübung arbeitet mit der Vorstellung der Erdanziehung und lässt die Muskulatur entspannen. In der Wärmeübung greift der Übende mittels der Vorstellung von Sonnenschein, warmen Bädern oder etwas anderem angenehm Warmem in das Durchblutungsgeschehen des Körpers ein und bewirkt so eine Gefäßerweiterung in den angesprochenen Partien des Körpers. Die Atemübung folgt als Viertes. Hier wird der Atem nur beobachtet und Dr. Schultz prägte die Vorstellungsbilder von sich leicht im Wind hin und her bewegenden Baumwipfeln und von Wellen, die sanft von selbst am Strand auslaufen. Dr. Schultz arbeitete mit den Formeln ,,Der Atem fließt ruhig und gleichmäßig" und ,,Es atmet mich". Ähnlich wie der Yoga geht auch das autogene Training davon aus, dass die Beruhigung des Atems auch eine Beruhigung des Geistes auslöst.Diese vier Übungen sind sozusagen das Fundament des autogenen Trainings. Die Herzübung reguliert die Herzschlagfrequenz und die Durchblutung der Herzkranzgefäße, die Bauch- oder Sonnengeflechtsübung reguliert über die Vorstellung von Wärme im Solarplexus die gesamten Bauchorgane und die Kopfübung soll als Letztes dann mittels der Vorstellung von Stirnkühle zu einem kühlen Kopf führen.In vielen Bereichen erinnert das autogene Training an den Yoga und manche nennen es auch eine Art wissenschaftlich nachvollziehbare europäische Form des Yoga. Sowohl autogenes Training wie auch Yoga arbeiten maßgeblich über das vegetative Nervensystem und führen zu einer umfassenden Beruhigung des Menschen. Insbesondere bei Yoga Nidra, einer alten tantrischen Entspannungstechnik, finden sich viele Ähnlichkeiten mit dem autogenen Training.Für viele Menschen kann autogenes Training zu einem ganz pragmatisch versteh- und erklärbaren Einstieg in die Welt der Stille, in die Meditation werden, denn auch im autogenen Training ist, ähnlich wie im Yoga, ein vollständiges Zurückziehen der Sinne von der Außenwelt erforderlich.Regelmäßig praktiziert fördert autogenes Training die Entspannungsfähigkeit und die Konzentrazionsfähigkeit. Es kann eine äußerst wirkungsvolle Methode zur unterstützenden Begleitung bei vielen psychosomatisch bedingten Krankheiten sein. Strss wird abgebaut.Wir vermitteln in unsreren Kursen das autogene Training nach Dr. Schultz und Dr. Oskar Hammer (Bad Nauheim), der in sechzig Jahren Unterrichtstätigkeit für autogenes Training einige Übungen leicht modifiziert und erweitert hat.

______________________________________________________________________________________________________ Literaturhinweise finden Sie in unserem Skript "Autogenes Training"